Einstieg in die Mittelformat Fotografie

Cooles Stock Foto von Phad Pichetbovornkul | Unsplash

Neulich in Prag waren Jessi und ich auf dem riesigen Flohmarkt U Elektry unterwegs. Man kann wohl ohne Übertreibung behaupten, dass man dort für schmales Geld wirklich alles von zweifelhaften Gestalten kaufen kann. Darunter natürlich auch viel russisches und tschechisches Kameraequipment, was für Lomography Begeisterte wahrscheinlich das Paradies sein dürfte. Nach Stunden in praller Mittagshitze und viel denglisch-tschenglisch Übersetzung hatten auch wir eine stolze Ausbeute von:

  • einer Canon Canonet
  • einer Corina Kamera
  • einer Meopta Mikroma 2
  • und einer Lubitel 2

Um letztere wird es in diesem Beitrag gehen.

Zur Lubitel 2

6x7_DSC05194

Die Lubitel 2 ist eine sogenannte Twin Lens Reflex (TLR) Kamera. Sie hat zwei Objektive, eines für die Komposition und eines durch das das Licht auf den Film trifft. Das Objektiv hat eine Brennweite von 75mm und eine maximale Blendenöffnung von F/4,5. Belichtet wird schnellstmöglich mit einer 1/250 Sekunde. Vor die Mattscheibe lässt sich eine kleine Lupe klappen, die einem das Scharfstellen erleichtern soll, wobei ich damit in heller Umgebung meine Probleme hatte.

Das Filmeinlegen geht schnell von der Hand und funktioniert im Prinzip wie bei Kleinbild auch. Anders als bei 135er Film muss man den Film allerdings gefühlt eine Ewigkeit weiter drehen, bis endlich die Zahl im kleinen roten Fenster auf der Rückseite erscheint. Zwischendurch hatte ich tatsächlich Angst, dass bei meinem Film einfach gar keine Zahlen aufgedruckt sind. Irgendwann kam dann doch die 1 und ich konnte loslegen.

Das Mittelformat

Strandkorb Nordsee

Als jemand, der bis jetzt nur Kleinbildfilm verschossen hat, ist mir bei der Lubitel zuerst der große Sucher aufgefallen, der einem viel Platz bietet sein Bild genau zu planen. Und genau das sollte man wahrscheinlich auch tun. Allein schon wegen der Größe der meisten Mittelformat Kameras und der eher geringen Lichtstärke, eignet sich das Format weniger für schnelle Schnappschüsse (Holga und ähnliche mal ausgeschlossen). Dafür macht es umso mehr Spaß, den richtigen Bildausschnitt zu finden, alle Einstellungen vorzunehmen und dann erst das Bild zu machen. Für diese Schritte nehme ich mir beim Kleinbild einfach nicht so viel Zeit. Umso ärgerlicher ist es dann natürlich, wenn man vergisst, dass man den Film ja selber weiterziehen muss.

Doppelbelichtung

Ein weiterer Vorteil des Mittelformats ist offensichtlich auch die Größe der Fläche, die tatsächlich bei einem Bild belichtet wird. Dadurch lassen sich deutlich mehr Details einfangen und es ist leichter, später Scans für große Abzüge zu erstellen.

Natürlich kann es, wie mit allem, nicht nur Vorteile geben. Gute Mittelformat Kameras (das schließt meine Lubitel 2 leider aus) kosten um einiges mehr als vergleichbare Kleinbildkameras. Dazu kommen noch die höheren Filmkosten bei gerade einmal ca. 12 Aufnahmen pro Rolle und die höheren Entwicklungskosten, sofern man nicht selbst entwickelt. Alles weitere Gründe, sich lieber viel Zeit für ein Bild zu nehmen.

Da ich einen alten Orwo NP22 Film benutzt habe, konnte ich mich zudem das erste Mal mit meiner Jobo Dose an die Entwicklung wagen und bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Darüber schreibe ich in einem anderen Blogbeitrag höchstwahrscheinlich noch mehr.

Zusammenfassung

Mit Mittelformat zu fotografieren ist umständlicher und teurer als mit einer Kleinbildkamera. Dafür lohnt es sich meiner Meinung nach für die Ergebnisse, die dabei herauskommen. Mir zumindest hat auch das Handling mit der eher unpraktischen Lubitel 2 Spaß gemacht. Als nächstes Projekt habe ich mir eine Pentax 6×7 besorgt, die momentan noch eher einem Gerüst ähnelt.
Update: Seitdem dieser Beitrag in den Entwürfen verstaubt habe ich die Pentax schon erfolgreich benutzt!

Habt ihr schon Erfahrungen mit dem Mittelformat gemacht? Schreibt doch gerne eure Gedanken in die Kommentare!


Ein Gedanke zu “Einstieg in die Mittelformat Fotografie

  1. Von unfreiwilligen Doppelbelichtungen oder leeren Negativen kann ich auch ein Liedchen singen. Nachdem ich mir allerdings einen festen Ablauf angeeignet habe, passiert das nur noch höchst selten.
    Anfangs hatte ich vielmehr meine Mühen mit dem seitenverkehrten Blick durch den Sucher und bewegten Motiven.

    Liken

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